Wie berechne ich meinen tatsächlichen Gewinn beim Reselling?
Stand: 30.07.2026 · Evgenij Vyslanko, Gründer von Resaldo
Inhaltsverzeichnis
- Warum ist Verkaufspreis minus Einkaufspreis nicht dein Gewinn?
- Welche Kosten gehören in die Gewinnberechnung?
- Schritt 1: Einkaufspreis erfassen
- Schritt 2: Plattformgebühren abziehen
- Schritt 3: Versandkosten einrechnen
- Schritt 4: Verpackung nicht vergessen
- Schritt 5: Umsatzsteuer nach § 25a UStG abziehen
- Schritt 6: Weitere Betriebsausgaben im Blick behalten
- Rechenbeispiel: gekauft für 20 €, verkauft für 45 €
- Warum pro Artikel rechnen und nicht nur pro Monat?
- Typische Fehler bei der Gewinnberechnung
- Gewinn automatisch berechnen mit Resaldo
- FAQ
Warum ist Verkaufspreis minus Einkaufspreis nicht dein Gewinn?
Die häufigste Rechnung beim Reselling geht so: für 20 € gekauft, für 45 € verkauft, also 25 € verdient. Diese Rechnung ist falsch. Sie ignoriert mindestens vier Kostenblöcke, die bei jedem Verkauf anfallen.
Zwischen Verkaufspreis und tatsächlichem Gewinn stehen:
- die Plattformgebühren, bei eBay ein Prozentsatz je nach Kategorie und Artikelzustand plus eine Fixgebühr pro Bestellung,
- die Versandkosten, wenn du kostenlosen Versand anbietest oder die Versandpauschale deine echten Kosten nicht deckt,
- die Verpackung: Karton, Füllmaterial, Klebeband, Etikett,
- die Umsatzsteuer, bei der Differenzbesteuerung nach § 25a UStG aus der Differenz zwischen Verkaufs- und Einkaufspreis.
Dazu kommen laufende Kosten wie Fahrten zum Ankauf, Lagerplatz oder Software. Wer diese Posten nicht rechnet, kennt seinen Gewinn nicht. Das Konto sieht nach jedem Verkauf voller aus, aber wie viel davon wirklich hängen bleibt, zeigt erst die vollständige Rechnung.
Ein Grund mehr, die eigenen Zahlen zu kennen: Plattformen wie eBay melden deine Verkäufe und Einnahmen nach DAC7 an die Finanzverwaltung. Das gilt ab 30 Verkäufen oder 2.000 € Einnahmen im Jahr. Gemeldet werden deine Einnahmen, nicht dein Gewinn. Deine tatsächliche Gewinnrechnung machst du selbst.
Welche Kosten gehören in die Gewinnberechnung?
Die vollständige Formel für den Gewinn pro Artikel, in der Kalkulation auch Marge genannt, sieht so aus:
Gewinn = Verkaufspreis
- Einkaufspreis
- Plattformgebühren
- Versandkosten
- Verpackung
- Umsatzsteuer nach § 25a UStG
Jeder dieser Posten hat seine Eigenheiten. Die folgenden Schritte gehen sie einzeln durch.
Schritt 1: Einkaufspreis erfassen
Der Einkaufspreis ist der Betrag, den du für den Artikel bezahlt hast. Klingt banal, ist aber die häufigste Lücke in der Buchführung von Resellern. Beim Kauf von Privatpersonen gibt es keine Rechnung mit ausgewiesener Umsatzsteuer, oft gibt es gar keinen Beleg. Für diese Fälle erstellst du einen Eigenbeleg. Ein Eigenbeleg ist ein Beleg, den du selbst ausstellst: Er dokumentiert den Einkauf und ersetzt die fehlende Rechnung des Verkäufers. Wie das genau geht, zeigt ein eigener Ratgeber.
Kaufst du Ware im Paket, etwa eine Retouren-Palette oder ein Konvolut, kennst du den Einkaufspreis pro Artikel zunächst nicht. Dann teilst du den Gesamtpreis sachgerecht auf die einzelnen Artikel auf. Den kompletten Ablauf beschreibt der Ratgeber zu Retouren-Paletten.
Ohne dokumentierten Einkaufspreis funktioniert weder die Gewinnrechnung noch die Differenzbesteuerung. Erfasse ihn deshalb direkt beim Kauf, nicht erst Monate später beim Verkauf.
Schritt 2: Plattformgebühren abziehen
Die Plattformgebühren richten sich nach deinem Angebot, nicht nach einem festen Satz. Bei eBay setzt sich die Verkaufsprovision für gewerbliche Verkäufer aus zwei Teilen zusammen. Der erste Teil ist ein Prozentsatz des Gesamtbetrags der Transaktion. Der zweite Teil ist eine Fixgebühr von 0,35 € pro Bestellung, bei Bestellungen über 10 € sind es 0,45 €.
Zwei Punkte übersehen viele:
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Der Gesamtbetrag schließt den Versand ein. eBay berechnet die Provision auf den kompletten Betrag, den der Käufer zahlt, also Artikelpreis plus Versandkosten plus alle weiteren Gebühren. Versandkosten an den Käufer weiterzugeben spart dir die Provision darauf nicht.
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Der Prozentsatz hängt von der Kategorie und vom Artikelzustand ab. Seit dem 01.07.2026 gilt in einem Teil der Kategorien ein Satz von 5 %. Dafür müssen zwei Bedingungen zusammenkommen. Erstens gehört deine Kategorie zu den umgestellten Kategorien. Die Grenze verläuft dabei nicht immer zwischen Hauptkategorien: auch einzelne Unterkategorien sind umgestellt. Zweitens steht in deinem Angebot einer dieser fünf Artikelzustände:
- "Neu: Sonstige"
- "Zertifiziert/Hervorragend/Sehr gut/Gut - Refurbished"
- "Vom Verkäufer generalüberholt"
- "Gebraucht"
- "Gebraucht - Hervorragend/Gut/Akzeptabel"
Kleidung & Accessoires gehört nicht zu den umgestellten Kategorien. Verkaufst du gebrauchte Kleidung, gilt der Satz von 5 % für dich nicht. Prüfe deshalb beides: deine Kategorie und den Zustand in deinem Angebot. Dazu kann dein Servicestatus als Verkäufer die Provision beeinflussen.
Dazu kommen je nach Konto weitere Posten: die Angebotsgebühr, Kosten für Anzeigen, gegebenenfalls die monatliche Shop-Gebühr. Alle genannten Beträge versteht eBay ohne Mehrwertsteuer. Als Kleinunternehmer nach § 19 UStG zahlst du auf die Gebühren in der Regel zusätzlich 19 % Mehrwertsteuer, ohne sie zurückzuholen. Rechne die Gebühren dann brutto in deine Kalkulation ein.
Quelle für die geänderten Sätze: eBay-Verkäuferportal, Seller-News Juni 2026 "Gebührenänderungen", ebay.de, geprüft am 31.07.2026. Die Sätze ändern sich immer wieder, prüfe sie vor eigenen Kalkulationen direkt bei eBay. Eine ausführliche Übersicht der eBay-Gebühren und ihrer Wirkung auf deine Marge gibt ein eigener Ratgeber.
Kleinanzeigen und Vinted haben eigene Gebührenmodelle für gewerbliche Anbieter. Prüfe die aktuellen Konditionen direkt bei der Plattform und rechne sie genauso pro Verkauf ein.
Schritt 3: Versandkosten einrechnen
Bei den Versandkosten zählt, was du tatsächlich an den Versanddienstleister zahlst. Zwei typische Konstellationen:
- Kostenloser Versand: Du trägst die Versandkosten komplett. Sie gehören voll in deine Gewinnrechnung.
- Käufer zahlt Versand: Die Versandpauschale ist eine Einnahme, deine Kosten für das Label stehen dagegen. Deckt die Pauschale deine echten Kosten nicht, zahlst du drauf. Und wie in Schritt 2 gezeigt: Auf die Versandpauschale fällt zusätzlich eBay-Provision an.
Für die Umsatzsteuer gilt: Versandkosten, die der Käufer zahlt, gehören in der Regel zum Verkaufspreis und erhöhen damit die Differenz nach § 25a UStG. Die Details dazu stehen im Ratgeber zur Differenzbesteuerung.
Schritt 4: Verpackung nicht vergessen
Karton, Füllmaterial, Klebeband und Etiketten wirken pro Verkauf wie Kleinkram. Auf das Jahr gerechnet sind sie es nicht. Ein einfacher Ansatz: Kaufe Verpackungsmaterial gesammelt ein und rechne einen Durchschnittswert pro Sendung, zum Beispiel 0,50 € bis 1,50 € je nach Artikelgröße. Dieser Wert gehört in jede Artikelkalkulation.
Schritt 5: Umsatzsteuer nach § 25a UStG abziehen
Verkaufst du als gewerblicher Händler Gebrauchtware, die du ohne ausgewiesene Umsatzsteuer eingekauft hast, gilt in der Regel die Differenzbesteuerung. Differenzbesteuerung heißt: Du zahlst Umsatzsteuer nicht auf den ganzen Verkaufspreis, sondern nur auf die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis (§ 25a UStG). Die Umsatzsteuer rechnest du mit 19/119 aus der Differenz heraus.
Für die Gewinnrechnung heißt das: Die Umsatzsteuer ist Geld, das ans Finanzamt geht, nicht an dich. Ziehe sie pro Artikel ab. Bei einer Differenz von 25 € sind das 3,99 €.
Voraussetzungen, Methoden und Rechnungsregeln der Differenzbesteuerung erklärt der Ratgeber zur Differenzbesteuerung im Detail. Diese Seite hier bleibt bewusst bei der Gewinnrechnung.
Bist du Kleinunternehmer nach § 19 UStG, fällt keine Umsatzsteuer an, dieser Posten entfällt dann in deiner Rechnung.
Schritt 6: Weitere Betriebsausgaben im Blick behalten
Nicht jede Ausgabe lässt sich einem einzelnen Artikel zuordnen. Fahrten zu Flohmärkten und Abholungen, Lagerregale, Waage, Drucker, Software: Das alles sind Betriebsausgaben. Sie mindern deinen Gesamtgewinn, auch wenn sie in der Rechnung pro Artikel nicht auftauchen.
Praktikabel ist eine zweistufige Sicht. Pro Artikel rechnest du die direkten Kosten aus den Schritten 1 bis 5. Auf Monats- oder Jahresebene ziehst du zusätzlich die laufenden Betriebsausgaben ab. Erst diese zweite Zahl zeigt, was dein Reselling insgesamt abwirft.
Rechenbeispiel: gekauft für 20 €, verkauft für 45 €
Das Beispiel zeigt auch, warum der Verkaufspreis nicht beliebig knapp kalkuliert sein darf. Nimm an, du verkaufst denselben Artikel für 30 €, wieder mit kostenlosem Versand. Dann ziehst du ab:
- Einkaufspreis: 20 €
- eBay-Provision: 1,95 € (5 % von 30 € Gesamtbetrag, plus 0,45 € Fixgebühr)
- Versandlabel: 5,49 €
- Verpackung: 1,00 €
- Umsatzsteuer § 25a UStG: 1,60 € (Differenz 10 € × 19/119)
Am Ende steht ein Verlust von 0,04 €, praktisch null. In der einfachen Rechnung sieht derselbe Verkauf wie 10 € Gewinn aus. Der Satz von 5 % rettet diesen Verkauf nicht: Versand und Verpackung kosten gleich viel, egal wie günstig du verkaufst.
Warum pro Artikel rechnen und nicht nur pro Monat?
Viele Reseller schauen nur auf den Monatssaldo des Kontos. Das Problem: Der Saldo mischt profitable und unprofitable Verkäufe. Ohne Rechnung pro Artikel siehst du nicht, welche Warengruppen sich lohnen, welche Einkaufsquellen zu teuer sind und ab welchem Verkaufspreis ein Artikel zum Verlust wird.
In der Praxis läuft diese Rechnung meist in selbst gebauten Excel-Tabellen. Das funktioniert bei wenigen Artikeln. Bei 50 und mehr Artikeln, mehreren Plattformen und der Differenzbesteuerung daneben wird die Tabelle fehleranfällig. Typische Folgen: vergessene Gebühren, veraltete Provisionssätze und keine Antwort auf die Frage, wie viel du diesen Monat wirklich verdient hast.
Typische Fehler bei der Gewinnberechnung
- Nur Verkaufspreis minus Einkaufspreis rechnen. Diese Rechnung ignoriert Gebühren, Versand, Verpackung und Umsatzsteuer. Sie überschätzt deinen Gewinn meist deutlich.
- Die Provision auf den Versand übersehen. eBay berechnet die Verkaufsprovision auf den Gesamtbetrag inklusive Versandkosten. Wer nur mit dem Artikelpreis rechnet, setzt die Gebühren zu niedrig an.
- Die Auszahlung für den Gewinn halten. Die Auszahlung ist der Betrag, den der Käufer gezahlt hat, abzüglich der eBay-Gebühren. Einkaufspreis, Versandlabel, Verpackung und Umsatzsteuer fehlen darin noch.
- Differenz und Gewinn vermischen. Die Differenz nach § 25a UStG ist nur die Grundlage für die Umsatzsteuer. Dein Gewinn liegt immer darunter.
- Die Umsatzsteuer in der Kalkulation weglassen. Bei der Differenzbesteuerung geht ein Teil deiner Differenz ans Finanzamt. Ohne diesen Abzug rechnest du deinen Gewinn zu hoch.
Gewinn automatisch berechnen mit Resaldo
Resaldo ist ein Cockpit für gewerbliche Reseller von Gebrauchtware. Die Gewinnrechnung pro Artikel ist der Kern des Produkts. Du erfasst Einkaufspreis und Verkauf. Resaldo zieht Plattformgebühren, Versandkosten und die Umsatzsteuer nach § 25a UStG ab und zeigt den tatsächlichen Gewinn pro Artikel.
Die eBay-Gebühren kommen dabei aus dem CSV-Import deiner eBay-Verkäufe. Differenz und Gewinn bleiben als Zahlen sauber getrennt: die Differenz für die Steuer, der Gewinn für deine Entscheidungen. Für den Steuerberater erstellt Resaldo einen Periodenreport mit korrekter Aufschlüsselung nach § 25a UStG.
Klar abgegrenzt: Resaldo ist keine Steuerberatung und ersetzt keine Finanzbuchhaltung. Resaldo bereitet deine Zahlen auf, damit du und dein Steuerberater damit arbeiten können.
FAQ
Zählen Versandkosten, die der Käufer zahlt, zu meinem Gewinn?
Sie sind eine Einnahme, aber kein Gewinn. Dagegen stehen deine tatsächlichen Kosten für das Versandlabel. Deckt die Pauschale diese Kosten genau, gleichen sich Einnahme und Kosten aus. Zwei Effekte bleiben trotzdem. eBay berechnet die Verkaufsprovision auf den Gesamtbetrag inklusive Versand. Und bei der Differenzbesteuerung erhöht die Pauschale in der Regel deinen Verkaufspreis und damit die Umsatzsteuer.
Muss ich die Umsatzsteuer bei der Gewinnberechnung abziehen?
Ja. Bei der Differenzbesteuerung steckt die Umsatzsteuer in deiner Differenz und geht ans Finanzamt. Wer sie in der Kalkulation weglässt, rechnet seinen Gewinn zu hoch. Bei einer Differenz von 25 € sind es 3,99 €, die nicht dir gehören. Kleinunternehmer nach § 19 UStG lassen diesen Posten weg.
Wie hoch sind die eBay-Gebühren für gewerbliche Verkäufer?
Die Verkaufsprovision besteht aus einem Prozentsatz des Gesamtbetrags plus einer Fixgebühr pro Bestellung. Die Fixgebühr beträgt 0,35 €, bei Bestellungen über 10 € sind es 0,45 €. Der Prozentsatz hängt von der Kategorie und vom Artikelzustand ab. In einem Teil der Kategorien gilt seit dem 01.07.2026 ein Satz von 5 %, etwa für Artikel im Zustand "Gebraucht". Kleidung & Accessoires gehört nicht zu diesen Kategorien. Welcher Satz für dein Angebot gilt, prüfst du vor eigenen Kalkulationen direkt bei eBay. Quelle für den Satz von 5 %: eBay-Verkäuferportal, Seller-News Juni 2026, geprüft am 31.07.2026.
Wie berechne ich den Gewinn bei einer Retouren-Palette?
Du teilst den Einkaufspreis der Palette sachgerecht auf die einzelnen Artikel auf und rechnest dann jeden Verkauf wie in dieser Anleitung. Den kompletten Ablauf von der Palette über den Eigenbeleg bis zur Umsatzsteuer zeigt der Ratgeber zu Retouren-Paletten.
Ist mein Gewinn das, was ich am Ende versteuern muss?
Nicht direkt. Der Gewinn pro Artikel ist eine Kalkulationsgröße. Dein steuerlicher Gewinn ergibt sich aus der Gewinnermittlung deines Betriebs, in der Regel der Einnahmenüberschussrechnung. Einnahmenüberschussrechnung heißt: Du stellst alle Betriebseinnahmen und Betriebsausgaben des Jahres gegenüber (§ 4 Abs. 3 EStG). Darauf fallen dann unter anderem Einkommensteuer und gegebenenfalls Gewerbesteuer an. Die Einzelheiten hängen vom Einzelfall ab, kläre sie mit deinem Steuerberater.
Warum ist meine eBay-Auszahlung höher als mein Gewinn?
Die Auszahlung ist der Betrag, den der Käufer gezahlt hat, abzüglich der eBay-Gebühren. Einkaufspreis, Versandlabel, Verpackung und die Umsatzsteuer nach § 25a UStG sind darin noch nicht berücksichtigt. Die Auszahlung ist deshalb keine Gewinnzahl, sondern nur ein Zwischenschritt.