Was bedeutet DAC7 für Reseller?

Stand: 26.07.2026 · Evgenij Vyslanko, Gründer von Resaldo

Inhaltsverzeichnis

Was ist DAC7?

DAC7 ist eine EU-Richtlinie zur Steuertransparenz auf digitalen Plattformen. In Deutschland setzt das Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG) sie um. Das Gesetz gilt seit dem 1. Januar 2023. Es verpflichtet Plattformbetreiber, Daten ihrer Verkäufer an die Finanzbehörden zu übermitteln.

Wichtig für die Einordnung: DAC7 ist keine neue Steuer. Das Gesetz richtet sich an die Plattformen, nicht an dich. Es regelt nur, wer wann gemeldet wird. Ob auf deine Verkäufe Steuern anfallen, richtet sich weiterhin nach den allgemeinen Steuergesetzen.

Der Hintergrund ist einfach. Bisher konnte das Finanzamt Verkäufe auf eBay, Kleinanzeigen oder Vinted kaum nachvollziehen. Mit den DAC7-Meldungen ändert sich das: Die Finanzverwaltung kann gemeldete Verkäufe mit den erklärten Einkünften abgleichen. Im Fokus der Finanzverwaltung stehen dabei sogenannte Scheinprivate, also Verkäufer, die gewerblich handeln, aber als privat auftreten.

Ab wann meldet eine Plattform deine Verkäufe?

Eine Plattform muss dich melden, sobald du in einem Kalenderjahr auf dieser Plattform einen von zwei Schwellenwerten erreichst (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 PStTG):

  • 30 Verkäufe oder mehr, oder
  • 2.000 € Vergütung oder mehr.

Es reicht einer der beiden Schwellenwerte. Die Bedingung ist ein Oder, kein Und. Wer 35 Mal für zusammen 900 € verkauft, wird gemeldet. Wer 12 Mal für 2.500 € verkauft, ebenfalls.

Drei Details entscheiden, wie du richtig zählst:

  1. Die Schwelle liegt bei genau 30 Verkäufen. Das Gesetz stellt nur Verkäufer frei, die auf weniger als 30 Verkäufe kommen (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 PStTG). Der 30. Verkauf löst die Meldung also schon aus, nicht erst der 31.
  2. Ein Verkauf ist ein Rechtsgeschäft, nicht ein Artikel. Verkaufst du zehn Artikel als ein Konvolut in einem Verkauf, zählt das als ein Fall (BMF-Schreiben vom 02.02.2023).
  3. Vergütung heißt: der Betrag nach Abzug der Plattformkosten. Zur Vergütung zählt, was dir gezahlt oder gutgeschrieben wird, abzüglich aller von der Plattform einbehaltenen Gebühren, Provisionen oder Steuern (§ 5 Abs. 2 PStTG).

Beide Schwellenwerte gelten pro Plattform und pro Kalenderjahr. Deine Verkäufe auf eBay, Kleinanzeigen und Vinted werden nicht zusammengerechnet. Der Meldezeitraum ist das Kalenderjahr.

Welche Plattformen melden nach DAC7?

Die Meldepflicht trifft die Betreiber digitaler Plattformen, auf denen Nutzer Waren verkaufen. Dazu gehören unter anderem eBay, Kleinanzeigen, Vinted, Amazon und Etsy. Die Meldepflicht unterscheidet nicht zwischen privaten und gewerblichen Verkäufern: Gemeldet wird, wer die Schwellenwerte erreicht.

Eine Besonderheit gilt bei Kleinanzeigen. Die Plattform meldet nach eigenen Angaben nur Verkäufe, die über das plattformeigene Bezahlsystem abgewickelt wurden. Nur bei diesen weiß Kleinanzeigen sicher, dass ein Verkauf zustande kam (Hilfe-Center von Kleinanzeigen, Stand 11.07.2026). Barverkäufe bei Abholung tauchen in der Meldung deshalb in der Regel nicht auf. Für deine Steuerpflicht spielt das keine Rolle: Auch nicht gemeldete Verkäufe musst du als gewerblicher Verkäufer vollständig erfassen. Was beim gewerblichen Verkauf auf Kleinanzeigen sonst gilt, behandelt ein eigener Ratgeber.

Welche Daten gehen an die Finanzbehörden?

Die Plattform übermittelt die Daten an das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt). Von dort können sie an das zuständige Finanzamt gelangen. Übermittelt werden unter anderem:

  • Name und Anschrift,
  • Steuer-Identifikationsnummer,
  • Zahl der Verkäufe,
  • Höhe der Vergütung.

Die großen Plattformen informieren dich nach eigenen Angaben, sobald du die Schwellenwerte erreichst. Fehlende Angaben wie die Steuer-Identifikationsnummer fragen sie bei dir ab. Eine verständliche Übersicht der übermittelten Daten geben die Plattformen selbst. Beispiele sind das Hilfe-Center von Kleinanzeigen und die DAC7-Seite von eBay (Stand 11.07.2026).

Ist die DAC7-Meldung eine Steuerpflicht?

Nein. Die DAC7-Schwellenwerte sind kein Freibetrag und keine Freigrenze. Sie entscheiden nur, ob die Plattform dich meldet. Ob du Steuern zahlst, entscheidet sich unabhängig davon nach den allgemeinen Regeln im Einkommensteuer-, Gewerbesteuer- und Umsatzsteuerrecht.

Beide Richtungen des Missverständnisses kommen vor:

  • Gemeldet heißt nicht steuerpflichtig. Wer als Privatperson gelegentlich gebrauchte Gegenstände des täglichen Gebrauchs verkauft, bleibt in der Regel steuerfrei, auch wenn die Plattform meldet.
  • Nicht gemeldet heißt nicht steuerfrei. Wer gewerblich verkauft, ist steuerpflichtig, auch unterhalb der DAC7-Schwellenwerte. 29 Verkäufe für 1.900 € schützen nicht vor der Steuerpflicht.

Die 2.000 € aus dem PStTG sind auch keine Umsatzsteuer-Grenze. Die Kleinunternehmerregelung befreit Unternehmer mit geringem Umsatz von der Umsatzsteuer (§ 19 UStG). Sie hat eigene, deutlich höhere Werte: 25.000 € Gesamtumsatz im vorangegangenen Kalenderjahr und 100.000 € im laufenden Kalenderjahr (§ 19 Abs. 1 Satz 1 UStG). Was das für Reseller bedeutet, erklärt ein eigener Ratgeber.

Was bedeutet DAC7 für gewerbliche Reseller?

Die Verunsicherung durch DAC7 ist messbar. Laut einer YouGov-Umfrage im Auftrag von Kleinanzeigen verkauft jeder fünfte Nutzer weniger (10 %) oder gar nicht mehr (9 %). Der Grund: Er ist unsicher, ob das Gesetz ihn betrifft. Mehr als ein Drittel der Befragten (35 %) kannte das Gesetz zum Zeitpunkt der Umfrage überhaupt nicht (Pressemitteilung von Kleinanzeigen, August 2024).

Für dich als gewerblichen Reseller ist die Lage nüchterner, als diese Zahlen vermuten lassen. Deine Steuerpflichten bestehen unabhängig von DAC7 und bestanden schon vorher. Wer sein Gewerbe angemeldet hat und alle Verkäufe erklärt, für den ändert die Meldung in der Regel nichts. Das Finanzamt bekommt Daten, die zur Erklärung passen.

Anders sieht es aus, wenn Verkäufe bisher nicht erklärt wurden. Durch den Datenabgleich fallen Lücken schneller auf als früher. Wer gewerblich handelt, ohne das gemeldet zu haben, trägt seit DAC7 ein deutlich höheres Entdeckungsrisiko.

Die praktische Konsequenz ist in beiden Fällen dieselbe: vollständige Aufzeichnungen. Für jeden Artikel Einkaufspreis, Verkaufspreis und Belege, dazu die korrekte Umsatzsteuer. Bei Gebrauchtware gilt für Wiederverkäufer meist die Differenzbesteuerung: Du zahlst Umsatzsteuer nur auf die Differenz zwischen Einkaufs- und Verkaufspreis (§ 25a UStG). Wie sie funktioniert, erklärt der Ratgeber zur Differenzbesteuerung. Und was nach Gebühren, Versand und Steuer wirklich übrig bleibt, zeigt die vollständige Gewinnberechnung.

DAC7-Schwellenwerte im Blick behalten mit Resaldo

Resaldo ist ein Cockpit für gewerbliche Reseller von Gebrauchtware. Für DAC7 zeigt dir Resaldo eine Fortschrittsanzeige: die Zahl deiner Verkäufe und deinen Umsatz im Vergleich zu den Schwellenwerten. Resaldo vergleicht dabei deinen Umsatz mit der 2.000-€-Schwelle. Das ist strenger als die gesetzliche Vergütung nach Abzug der Gebühren: So bist du auf der sicheren Seite. Näherst du dich einem Schwellenwert, warnt dich die Anzeige farblich. So überrascht dich eine Meldung nicht.

Wichtiger als die Meldung selbst sind die Zahlen dahinter. Resaldo erfasst für jeden Artikel Einkaufspreis, Verkaufspreis, Gebühren und Versandkosten, berechnet die Umsatzsteuer nach § 25a UStG und den Gewinn pro Artikel. So sind deine Zahlen dokumentiert, falls das Finanzamt nachfragt.

Klar abgegrenzt: Resaldo ist keine Steuerberatung und ersetzt keine Finanzbuchhaltung. Resaldo bereitet deine Zahlen auf. Die Erklärung gibst du selbst oder über deinen Steuerberater ab.

FAQ

Ist DAC7 eine neue Steuer?

Nein. DAC7 ist eine EU-Richtlinie, die Plattformen zur Meldung von Verkäuferdaten verpflichtet. In Deutschland setzt das Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG) sie seit dem 1. Januar 2023 um. Ob Steuern anfallen, richtet sich unabhängig von der Meldung nach den allgemeinen Steuergesetzen.

Ab wann meldet eine Plattform meine Verkäufe?

Ab 30 Verkäufen oder ab 2.000 € Vergütung auf einer Plattform in einem Kalenderjahr (§ 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 4 PStTG). Einer der beiden Schwellenwerte reicht. Auch genau 30 Verkäufe lösen die Meldung aus, nicht erst mehr als 30.

Zählen die DAC7-Schwellenwerte über alle Plattformen zusammen?

Nein. Die Schwellenwerte gelten pro Plattform und pro Kalenderjahr. 20 Verkäufe auf eBay und 15 Verkäufe auf Vinted führen zu keiner Meldung. Voraussetzung: Auf jeder Plattform bleiben beide Werte unter den Schwellenwerten.

Was zählt bei DAC7 als ein Verkauf?

Ein Verkauf ist ein Rechtsgeschäft, nicht ein einzelner Artikel. Ein Konvolut aus zehn Artikeln, das in einem Verkauf den Besitzer wechselt, zählt als ein Fall (BMF-Schreiben vom 02.02.2023).

Zählt die 2.000-€-Schwelle brutto oder nach Abzug der Gebühren?

Maßgeblich ist die Vergütung: der Betrag, der dir gezahlt oder gutgeschrieben wird. Davon gehen alle von der Plattform einbehaltenen Gebühren, Provisionen oder Steuern ab (§ 5 Abs. 2 PStTG).

Muss ich als gewerblicher Reseller wegen DAC7 etwas ändern?

Deine Steuerpflichten bestehen unabhängig von DAC7. Wer sein Gewerbe angemeldet hat und alle Verkäufe vollständig erklärt, für den ändert die Meldung in der Regel nichts. Wichtig sind vollständige Aufzeichnungen pro Artikel: Einkaufspreis, Verkaufspreis, Belege und die korrekte Umsatzsteuer. Offene Fragen zur eigenen Situation kläre mit deinem Steuerberater.

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